Gemeinschaftspraxis
Dr. med. Sven Detken
Jörg Seraphin
13. Januar 2012 – Wenn Raucher an Lungenkrebs erkranken, heißt es oft, sie seien selbst schuld an ihrem Schicksal. Ein Vorwurf, der längst nicht immer zutrifft und zudem niemandem hilft. Die Deutsche Krebsgesellschaft rät Betroffenen daher, offensiv mit ihrer Erkrankung umzugehen und Hilfe einzufordern.
„Sie haben Krebs!“ Es dürfte kaum einen Patienten geben, der diese Diagnose nicht als Schock erlebt. Handelt es sich um Lungenkrebs kommt zu Ängsten, Unsicherheit und Verzweiflung aber oft noch ein weiteres Problem hinzu: das der Stigmatisierung.
Denn für keine andere bösartige Erkrankung ist der Zusammenhang zwischen einem bestimmten Verhalten und der Krebsentstehung so gut belegt, wie für den Lungenkrebs. Meistens ist es das Rauchen, das die Zellen entarten lässt. Folglich trifft viele Patienten der Vorwurf, für ihr Leid selbst verantwortlich zu sein – und die Erkrankung wird zur Strafe für die Sucht. Doch dieser Vorwurf ist in vielerlei Hinsicht fehl am Platze.
Recht auf Hilfe
So lassen sich zwar tatsächlich 85 Prozent aller Lungenkrebs-Todesfälle auf das Rauchen zurückführen. Bei immerhin 15 von 100 Fällen scheidet der Tabakkonsum damit aber als Ursache aus. Darüber hinaus haben derartige Zahlen lediglich statistischen Stellenwert. Ob bei einem einzelnen Patienten wirklich das Rauchen und nicht ein anderer Risikofaktor Ursache der Erkrankung war, wird kaum jemals nachzuweisen sein. Und schließlich ist es schlicht unethisch, Menschen, die dringend Hilfe benötigen, auf ein vermeintliches oder offensichtliches Fehlverhalten hinzuweisen.
Fühlen sich die Betroffenen dabei auch selbst schuldig? Barbara Baysal, Beraterin bei der Krebsgesellschaft und selbst ehemalige Raucherin und Lungenkrebs-Patientin, kennt die Antwort aus eigener Erfahrung. Zwar schwinge das Thema Schuld im Hintergrund mit, für die meisten stehe nach der Diagnose aber die Frage der richtigen Behandlung im Vordergrund.
Tabakverzicht gehört zur Behandlung dazu
Zu der gehört übrigens auch der Tabakverzicht. Denn das Rauchen mindert die Wirksamkeit einer Chemotherapie und fördert das Tumorwachstum. Lungenkrebs-Patienten sollten daher offen über ihre Erkrankung sprechen und Schuldvorwürfen keinen Raum geben, rät die Krebsgesellschaft. Darüber hinaus sei es für sie ratsam, aktiv Unterstützung bei der Raucherentwöhnung und allen krankheitsbezogenen Problemen einzufordern. Schließlich haben Lungenkrebs-Patienten dieselben Rechte, wie andere Krebspatienten auch.
Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft